Nachhaltigkeit beim Meeresangeln

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Schon aus eigenem Interesse sollte jedem (Meeres-) Angler daran gelegen sein, nachhaltig zu angeln; Nachhaltigkeit heißt, “dass die eingesetzten Fischereimethoden und ihre Anwendungsweisen bestandserhaltend sind und die Reproduktionsfähigkeit der Zielfischarten nicht herabsetzen (keine Überfischung), dass das Ökosystem (z.B. der Meeresboden) nicht geschädigt und der Anteil ungewollter Beifänge weitgehend minimiert wird.” (Quelle: Wikipedia) Hier herein spielt freilich auch, dass der Fang untermaßiger Fische weitgehend vermieden werden sollte (ungewollter Beifang), denn beinahe jeder zurückgesetzte Fisch stirbt an den Folgen des Fanges, egal, wie schonend man mit dem Fisch umgeht.

Das muss gar nicht sein; zurückgesetzte Fische sterben zumeist, weil sie den Haken zu tief schlucken und dadurch verletzt werden. Dies gilt auch für untermaßige Fische, denn wenn kleine Haken gewählt werden können auch kleine Fische tief schlucken und sind damit fast immer todgeweiht.

Dabei gibt es einfache Lösungen für dieses Problem:

  1. Man nimmt einfach größere Haken: Es hat sich durchgesetzt, beim Brandungsangeln in Deutschland Haken der Größen 2, 4 oder gar kleiner zu fischen; das ist aber gar nicht notwendig, können doch auch Butt problemlos Haken der Größe 1 oder 1/0 schlucken, nur untermaßige haben damit Probleme, aber die sollte man eh nicht gezielt beangeln. Und wenn man gezielt auf Dorsche angelt sind auch größere Haken ab 2/0 gar kein Problem für einen maßigen Dorsch, und auch hier kann man mit größeren Haken den Fang zu kleiner Fische zu einem großen Teil ausschließen.

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  2. Man nimmt Kreishaken, sogenannte Circle Hooks; diese sind in der Tat etwas schwieriger zu beködern, allerdings sollte jeder, der es schafft, ein Vorfach selbst zu basteln, auch in der Lage sein herauszufinden, wie man solch Haken beködert, und die Haken haben den charmanten Vorteil, dass sie sich beim Anbiss von selbst so drehen, dass sie vorne im Maul haken, in der Regel kann man also Fische leicht und nur wenig verletzt wieder abhaken und zurücksetzen. Kombiniert man nun diese Möglichkeiten, nimmt also größere Kreishaken, kann man in der Regel von vornherein den Fang untermaßiger Fische ausschließen und selbst die größeren weitgehend unverletzt fangen.

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Das Nutzen kleiner Haken ist übrigens weitgehend deutschen Wettkampfanglern geschuldet; für die ist es verständlich, solche Haken zu nutzen, bringen doch zwei gerade maßige Fische oftmals mehr Punkte als ein größerer, darum zahlt es sich für Veranstaltungsangler aus, gezielt auf knapp bis gerade maßige Fische zu angeln, um möglichst viele Punkte zu erzielen. Nachhaltig ist diese Art der Angelei in der Regel nicht.
Zudem ist sie genau genommen aus des Hobbyanglers Sicht unsinnig; das Bestreben des Gelegenheits- oder Hobbyanglers sollte doch sein, verwertbare Fische zu angeln, und etwas größere Fische sind nun einmal bessere Küchenfische. Zudem machen größere Fische an der Angel mehr Spaß, also sollte auch der Fang größerer Fische das Ziel sein, und nicht zuletzt sollte doch jeder Angler bestrebt sein, möglichst nachhaltig zu angeln, um noch lange seinem Hobby nachgehen zu können, denn es sollte jedem klar sein, dass es die Position der Angler in der Sicht der Gesellschaft nicht stärkt, wenn Fußgänger viele verendete Fische am Strand finden, wie es nur allzu oft gerade nach Veranstaltungen der Fall ist.

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Ein Grundsatz übrigens, den man von anglerischen Kindesbeinen an öfter gehört haben sollte, ist ‘große Köder, große Fische’ – das gilt ebenso für das Meresangeln, mit größeren Ködern an größeren Haken kann man kleine Dorsche beinahe völlig ausschließen, und zwar fängt man damit weniger Fische, aber man hat die Chance auf wirklich große Brandungsfische; und hier reden wir von Dorschen jenseits 70cm, gerne auch mal bis an den Meterfisch ran!

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Wer nun meint, wenn er nun schon so selten an die Küste kommt, dann wolle er auch viele Fische fangen: Ein Kompromiss wäre doch, eine Rute mit großem Köder für große Fische zu beködern (fast alle Brandungsangler nutzen eh zwei Ruten) und eine zweite mit normalem Köder (ein Wattwurm oder ein Seeringelwurm oder eine Kombination aus beidem) auf 1er oder 1/0er Haken für den ‘Massenfang’ – so ist es möglich, mehrere normale Fische zu fangen und trotzdem die Chance auf einen größeren Fisch zu haben. Cool, oder?

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3 Gedanken zu “Nachhaltigkeit beim Meeresangeln

  1. Hört sich alles richtig an und finde ich gut. Ich selbst Fische in der Brandung fast nur noch mit Kreishaken,ist überhaupt nicht schwierig die zu beködern.Und tatsächlich sind die meisten Fische vorne im Maul gehakt.Und ne Tüte zum Müll einsammeln hat jeder Angler wohl auch dabei,weil der Unrat bleibt auch oft liegen.Wir müssen alle ein wenig mehr auf unsere Natur aufpassen.

  2. In der Tat; es setzt sich zum Glück immer mehr durch, zumindest den Müll wieder einzusammeln, aber die Transferleistung, umweltschonender zu fischen ist noch lange nicht in allen Köpfen angelangt – man muss nicht immer extrem weit werfen, darum braucht man auch nicht immer sehr dünne Schnur (über die alternative Möglichkeit, anstatt durch dünnere Schnüre weiter zu werfen einfach einen besseren Wurfstil zu erlernen, wollen wir an dieser Stelle mal nicht reden), sondern kann durchaus auch mal eine Schnur verwenden, die sofort reißt, wenn sie nur eine Muschelkante sieht, denn genau das passiert nur allzu oft mit 8er oder 10er Geflecht.
    Zu nachhaltigem Fischen gehört so viel mehr als nur das Verwenden größerer Haken; nur wie kann man das dem Normalangler beibringen?

  3. Ich verwende nun seit gut vier Jahren die Kreishaken gerne bis zur Größe 20/0. Sie funktionieren gut aber nicht immer. Vor einiger Zeit nahm ein Ammenhai einen ganzen Köderfisch ca. 20cm. Ich habe den Biss anfänglich nicht bemerkt weil die Jungs die Ruhe weg haben und nicht sofort flüchten. Erst als sah das die Schnur durchhing habe ich mal getestet ob sich etwas gehakt hat. 20 Minuten später hatte ich das wunderschöne Tier von etwa 180cm gelandet. Leider musste ich feststellen das der Kreishaken tief im Rachen saß und ich hatte keine Chance den Haken zu entfernen.
    Zum beködern der Kreishaken habe ich mir aus einem Metallspieß zum Grillen mittels einer Zange eine Art Ködernadel gebastelt. Funktioniert recht gut. Sollte es nochmal ein Surfcasting Magazin geben sende ich Dirk gerne Fotos wie sie aussieht und wie man damit seinen Haken beködert. Funktioniert natürlich auch bestens bei J Haken.

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