Alt, aber verdammt gut

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Es muss immer das modernste, neueste, stärkste und beste Gerät sein, sonst wird das nüscht… muss nicht sein, fanden vor einiger Zeit einige vornehmlich englische Werfer und kramten ihr altes Zeugs wieder raus, und siehe da, das hat auch heute noch seine Daseinsberechtigung. Daraus entstand schnell die Idee, mal ein komplettes Turnier mit solch altem Gerät zu machen, siehe auch hier: http://surfcasting-blog.de/?p=2202

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So reisten am 8. März auch ein paar Dänen und Deutsche nach Ipswich in  Ostengland, wo der Baltic Surfcasting Club zusammen mit Suffolk Sportscast zu diesem Event geladen hatte. Die Anreise war wegen des Sturms schon etwas abenteuerlich, aber wohlbehalten gelangte man ans Ziel, das Turnier konnte losgehen. Bis dato wusste noch niemand genau, wie viele denn nun genau mitmachen würden, aber viele hatten Interesse gezeigt.

Die Wiedersehensfreude war dann groß am Samstag, waren doch einige der Einladung gefolgt, darunter viele bekannte Gesichter. Ohne großes Vorreden ging es dann auch los. Hier gab es zwei Herangehensweisen: Einige warfen mit altem, seinerzeit berühmten Gerät wie Abu 484, Hardy Tourney, Edgar Sealey oder ähnlichen Ruten und passenden Rollen, die teilweise älter waren als die Werfer selber. Andere versuchten, im Rahmen der Regeln – Gerät von vor 1985 – das wettkampffähigste herauszusuchen und zu schauen, was möglich ist, und oh ja, da geht einiges! Etwa ab 1985 explodierte die Entwicklung, und es kam modernes, wettkampffähiges Gerät auf den Markt, das plötzlich Quantensprünge in den erzielten Weiten ermöglichte – Century Formula oder Tiger, Daiwa 6HM, Carroll-McManus…

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Dazu kam prominenter Besuch: John Holden, selbst Legende des Sports, gab sich die Ehre und signierte auch gleich sein eigenes Buch als einen der ersten Preise.

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Abends dann kam es zum gemütlichen Beisammensein diverser Nationen mit diversen Getränken; essentieller Bestandteil solcher Events!

Am Sonntag dann war freies Werfen angesagt; hier zeigte sich, dass einige tatsächlich mit modernem Gerät nicht wesentlich weiter warfen als mit dem Vintage Tackle von Anno Dazumal; darüber sollten einige vielleicht mal ein klein wenig nachdenken…

Herausragend am Sonntag waren neben Würfen bis jenseits der 250 Meter vor allem Jake Mayhew und Katie Rannochan – Jake ist 13 Jahre alt, warf aber das Blei auf über 167 Meter, Katie, noch jünger, versucht sich am Backcast und schaffte 124 Meter – echt beeindruckend, und die Freude groß.

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An diesem Tag kam wieder prominenter Besuch auf die Wiese – einer davon zum ersten Mal im ganzen Jahrtausend: Paul Kerry, ehemaliger Weltmeister und Weltrekordhalter und bekannt durch seine Entwicklung von Ruten bei Daiwa; dazu Roger Mortimore, ebenfalls lange Jahre Mitglied der Weltmeistermannschaft Englands und für Interessierte am Sport nicht weniger legendär. So wurde auch so mancher Wurf ausgelassen, das Plaudern und Fachsimpeln geht manchmal einfach vor.

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Die Weiten waren an diesem Wochenende gut, wenn auch durchwachsen, ebenso wie das Wetter – mal fast frühlingshaft warm und konstant windig, dazwischen Regenschauer und kreiselnder Wind, aber das ist für alle gleich, und das Wichtigste: Alle hatten riesengroßen Spaß, selbst aus anderem Ausland kam viel Zuspruch, und einige andere Clubs in verschiedenen Ländern und auf verschiedenen Kontinenten planen jetzt ähnliches, und auch in Suffolk wurde schon gefragt, wann wir das mal wiederholen – das ehrt natürlich und spornt an.

Die Rückfahrt war dank Sturmes und Unfällen auf der Autobahn noch unangenehmer als die Hinfahrt, aber wir sind wohlbehalten und zufrieden und um Erfahrungen reicher zuhause angekommen; jetzt mal schauen, wo es uns als nächstes hintreibt (außer zum Länderkampf in Dänemark im Mai freilich).

Hier die Ergebnisse des Turniers:

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Ein ganz besonderer Dank nochmal insbesondere an Steve Boyt aus Ipswich, der das Ganze erst möglich gemacht hat, und alle, die beigetragen haben durch Unterstützung vor, während und nach der Veranstaltung, Sponsoren, Paul Mayhew für seine Photos und so weiter – es war einfach toll!

 

 

 

FIPS-M-Weltmeisterschaft 2019 in Südafrika

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Vom 9. bis 16. Februar fanden im Rahmen der Weltangelspiele 2019 in Südafrika die Weltmeisterschaft im Distanzwerfen statt.

Aus verschiedenen, hauptsächlich wohl finanziellen wie verbandspolitischen Gründen, nahmen nur wenige Nationen und nur wenige Topwerfer teil; immerhin waren starke italienische sowie südamerikanische Mannschaften dabei, und diese hatten schon in der Vergangenheit gezeigt, dass sie der Maßstab sind.

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Zwar nahmen elf Mannschaften aus neun Nationen teil, aber viele der ganz großen Namen fehlten, sowohl in der Einzel- wie auch in der Nationenwertung, dafür waren dieses Mal auch Mannschaften dabei, die ansonsten nicht teilnehmen, aber Teams aus Großbritannien, Frankreich oder Griechenland fehlten ganz.

Mit dabei auch ein Team aus Deutschland, bestehend aus Jan Hinz (Kapitän), Christoph Fischer, Sören Schneidereit und Gerhard Dimmerling, sowie in der Damenkonkurrenz Melanie Schneidereit.

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Wie erwartet waren die Italiener und einzelne Südamerikaner der Maßstab, und schon bei den 150 Gramm fiel der vorherige Weltrekord gleich zwei Mal und endete bei jenseits 281 Metern; auch bei den 125 Gramm fiel der Weltrekord, und viele Werfer, auch die meisten deutschen, warfen neue persönliche Bestweiten.
Dies hatte Danny Moeskops schon vorher vorausgesagt: Das Wurffeld liegt unweit Praetoria auf über 1600 Metern Höhe, der Luftdruck ist um gut 200 mbar niedriger als hierzulande, weite Würfe waren quasi vorprogrammiert.

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In der Mannschaftswertung belegte das deutsche Team den 5. Platz; die beste Platzierung, die je eine deutsche Mannschaft erreicht hat, zwar auch mit dem Umstand geschuldet, dass viele Nationen nicht teilnahmen, aber dennoch eine starke Leistung.

Die Organisation der Weltmeisterschaft war vorbildlich; nicht nur die Unterbringung und die Eröffnungs- und Schlussveranstaltungen waren großartig organisiert und ein würdiger Rahmen für das Turnier, auch das Wurffeld und der Ablauf des Turniers setzte Maßstäbe, an denen sich folgende Weltmeisterschaften, die nächste 2020 in Deutschland, messen lassen müssen.

Oh, und das darf hier natürlich nicht vergessen werden:

Südafrika hat neben der Weltmeisterschaft einiges zu bieten; unglaubliche landschaftliche Seiten, eine tolle Angelei, Kultur, wie sie man im südlichen Teil des Kontinents nur selten findet, und…

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Alt, aber nicht vergessen

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Seit einiger Zeit haben einige englische und ein paar nichtenglische Werfer Spaß daran, mit Gerät zu werfen, mit dem unsere werferischen Vorfahren geworfen haben. Da lag die Idee nahe, ein Turnier zu organisieren, bei dem man solch gerne Gestrigen mal zusammenbringt.

Es ist uns Freude und Ehre, nun das erste Vintage Tackle Casting Event zu präsentieren: Am Wochenende 9./10. März 2019 organisieren wir dieses Turnier zusammen mit Suffolk Sportscast in Ipswich, England.

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Die Regeln sind denkbar einfach: Gerät von vor 1985, 0,40er Hauptschnur, und so weit werfen, wie man kann und das Gerät mitmacht.

Viele Werfer haben schon Interesse bekundet und einige zugesagt; kurz: es wird großartig!

Wer Interesse hat mitzumachen wende sich gerne an uns; und wer passendes Gerät dazu benötigt ebenso.

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Was will unsere Schlagschnur uns sagen?

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Obwohl es die einfachste, günstigste und auch beim Distanzwerfen gebräuchlichste Variante ist, hat sich ‘parallele’ Schlagschnur, also einfach dicke Schnur, hierzulande nur wenig durchgesetzt. Zu Unrecht, bietet sie doch nur wenige Nachteile, und wenn man sich erst einmal damit eingefuchst hat, ist es quasi erste Wahl.

Nachteile gibt es eigentlich wenige; viele führen den dicken Schlagschnurknoten an, aber der ist nur scheinbar ein Problem, mit einem ordentlichen Knoten bleibt dieser relativ klein, zudem stabiler bzw. zugkräftiger als kleinere Knoten in dünneren Schnüren, wie auch beim Verbinden von Hauptschnur und Taper Tips. Sicherlich ist er größer als letztgenannter und fängt damit bei viel Kraut im Wasser auch mehr davon ein, aber ein ‘verkrauteter’ Knoten passt so oder so selten durch den Spitzenring – da hilft nur, Montage (und ggf. Fisch) aus dem Wasser zu bekommen und dann zu pulen.

Nun allerdings haben einige, auch Turnierwerfer, Herausforderungen mit Schlagschnur, insbesondere bei den leichteren Bleien und 0,65er Schlagschnur.

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Wenn die Schlagschnur im Wurf reißt, gibt es dafür einige wenige potentielle Gründe:

  • Schlechte Schlagschnur
  • Riefen in den Rutenringen
  • Falscher Ringabstand bzw. Abstand vom ersten Ring zur Rolle
  • ein ‘abgehackter’ Wurfstil
  • eine schlechte Verbindung von Haupt- und Schlagschnur

Für die ersten beiden Probleme gibt es einfache Lösungen: zu a) nehme man hochwertige Schlagschnur und kontrolliere sie regelmäßig, weil sie gerade beim Angeln doch einigem Abrieb unterliegt und darum leicht beschädigt wird. Zu b) muss man nichts sagen – defekte Rutenringe müssen ausgetauscht werden, das kann jeder Rutenbauer (viele auch selbst daheim).

dave venables (Bild courtesy of Paul Mayhew)

Der Ringabstand gerade zwischen Rolle und dem untersten Ring kann entscheidenden Einfluss haben – wenn er zu klein ist, kostet das Wurfweite, ein zu großer Abstand aber kann gerade bei Seitenwind dafür sorfen, dass im Wurf die Schnur einen Bogen macht und sich die Schnur darum um einen der unteren Ringe wickelt – ein Abriss ist unvermeidbar. Eine vielleicht nicht ganz so hübsche, aber durchaus funktionelle Lösung ist, einfach einen weiteren Ring zwischen dem untersten und der Rolle anzutapen, um so einen besseren Abstand zwischen Rolle und Ring zu bekommen.

Den Wurfstil zu verbessern ist nicht ganz so einfach, aber das lohnt sich immer – weitere, konstante Würfe sind das Resultat, entsteht doch der Schnurbruch im Wurf, weil man das Blei z.B. durch Abknicken des oberen (meist rechten) Armes im Wurf aus der, wenn es gut läuft, harmonischen Kreisbahn reißt, was einen gewaltigen Druck auf die Schnur verursacht, sich aber leider deutlich negativ auf die Weite auswirkt.

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Der letzte Grund ist nicht unbedingt Zeichen schlechter Knotentechnik, aber sehr dünne mit sehr dicker Schnur zu verbinden (auf der Turnierwiese bei 100 Gramm verbindet man 0,25mm- mit 0,65mm-Schnur) ist nicht einfach, die dünne Schnur rutscht gerne mal durch den Knoten. Da gibt es eine einfache, praktische und turnierlegale Lösung: Man knotet zwischen die 0,25er Haupt- und 0,65er Schlagschnur ein Stück (30cm bis 1m) etwas stärkere Schnur, z.B. 30er oder 35er – das kostet keine Wurfweite, macht aber die Verbindung von Haupt- zu Schlagschnur deutlich stabiler.

Furchtbar wichtig: Schlagschnur

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Es kann keine zwei Meinungen geben: Beim Werfen mit schweren Bleien ist eine Schlagschnur zwingend erforderlich, um den gewaltigen Wurfschwung aufzufangen und niemanden im Wurf durch ein unkontrolliert herumfliegendes Blei zu gefährden.

In England gibt es eine einfache Faustregel: Pro Unze geworfenes Gewicht soll die Schnur 10 Pfund Tragkraft haben, also bei 5 Unzen 50 Pfund – das entspricht einer 0,65mm Schnur bei 150 Gramm, hierzulande schwierig umzurechnen, aber Faustregel: besser niemals unter 0,60mm, besser noch 0,65mm gehen, bei schweren Bleien und schwierigen Bodenverhältnissen besser 0,70 oder 0,75mm.

Denn eine Schlagschnur hat noch eine andere Funktion: Da sie direkt vor dem Vorfach ist, ist sie es, die den meisten Bodenkontakt hat, beim Einkurbeln also direkt durch Muschelbänke oder über Steine gezogen wird; dünnere Schnüre sind da äußerst gefährdet. Dies ist auch der Hauptgrund, warum wir persönlich von geflochtenen Schlagschnüren abraten, Mono hat von Haus aus eine deutlich höhere Abriebfestigkeit, und eine zum Beispiel monofile 0,70mm Schlagschnur noch wesentlich mehr als eine potentiell ähnlich kräftige geflochtene 0,30mm Schnur.

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Nun gibt es noch drei Möglichkeiten der Schlagschnur; eine ist, komplette Schnur zu benutzen, sogenannte Taper Lines, das sind diese meist 220 Meter oftmals alle zehn Meter anders gefärbten Schnüre, bei denen die ersten 20 Meter sich verstärken auf knapp 0,60mm. Funktioniert prima, hat aber ein paar deutliche Nachteile: Erstens ist die Schnur meistens teuer, vor allem im Verhältnis zur Qualität; zweitens muss man beim Abriss alles austauschen oder eben gleich eine andere Schlagschnur vorknoten, und drittens ist sie anfangs nicht einfach, bündig aufzuspulen, vor allem bei Stationärrollen, die in der Regel deutlich mehr Schnur fassen als diese 220 Meter, und last not least sind die Schnüre, vor allem die Schlagschnüre meist zu dünn – siehe oben; 0,57mm reichen einfach für ‘echtes’ Brandungsangeln nicht.

Eine günstigere Alternative sind Taper Tips zum Vorknoten, also vorbereitete Schlagschnüre, die meist etwa 15 Meter lang sind und sich verjüngen von 0,20 bis 0,35 auf 0,57 bis 0,80mm; die häufigsten sind leider bis 0,57mm, also aus sicherheitstechnischer Sicht wirklich nicht zu empfehlen, aber ja, diverse Firmen haben ordentliche Stärken (in guter Qualität) mit stärkeren Keulen.

Die günstigste Variante ist sicherlich, einfach gleichbleibend starke Schnur zu fischen; da gibt es den allmählichen Übergang zur dünneren Hauptschnur nicht, weil die Schnur sich halt nicht verjüngt, aber dafür ist sie auf ganzer Länge widerstandsfähig im Wurf und auf dem Meeresgrund. Ja, der Schlagschnurknoten ist etwas größer als bei Taper Tips, aber das ist im Wurf gar kein Problem und beim Einholen selbst durch Kraut nicht so sehr, wie man glauben könnte – Kraut bleibt wenn dann am Knoten hängen, und das kann man dann schnell abzupfen oder -schütteln, alles eine Frage der Übung.

Dies gilt auch für den Knoten; wobei der tatsächlich wirklich simpel ist:

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Zunächst formt man in die Schlagschnur eine einfachen Hausfrauen- oder besser Achtknoten.

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Dann führt man die Hauptschnur durch die so entstandene Schlaufe und zieht den Knoten in der Schlagschnur fest.

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Dann wickelt man die Hauptschnur fünf bis sechs Mal um die Schlagschnur, formt eine Schlaufe und führt sie nun innerhalb dieser Schlaufe fünf bis sechs Mal um die Schlagschnur.

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Nun zieht man die Hauptschnur etwas stramm, damit den Knoten gleich auf der Schlagschnur zum Knoten schieben kann.

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Mit etwas Spucke anfeuchten und die Knoten zusammenschieben und festziehen.

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Jetzt noch die überstehenden Enden mit einer scharfen Schere oder auch einem Schnur- (oder Nagel-) knipser abschneiden, fertig.

Einfach, oder?

Gut ist, dass das Werfen mit durchgehender Schlagschnur absolut sicher ist (wenn die Schnur in Ordnung ist natürlich), und eine Spule dicker Schnur, auch hoher Qualität, ist immer günstiger als fünf Taper Tips.

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